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01.02.12
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"Sprudelnde Ideen verankern" Hotel Anker darf sich zu Deutschlands
besten Tagungshotels zählen
Main-Post, Impuls-Beilage 27. Oktober 2003
Joachim Spies
Marktheidenfeld. Der Sprung unter die Besten kommt nicht von ungefähr. Er
ist hart erarbeitet. Wer sich unter Deutschlands Top- Tagungshotels
einreihen will, muss mehr bieten als schöne Räume und eine gute Küche.
"Sprudelnde Ideen verankern" heißt das Erfolgsrezept, mit dem Dr. Josef
Deppisch das Hotel Anker in Marktheidenfeld auf Platz 6 der
bundesweiten Rangliste nach vorne geschoben hat.
"Früher wurde viel aus dem Bauch heraus gemacht", blickt Deppisch zurück
auf die reiche Tradition des "Anker", der seit 1872 für Gastlichkeit,
gutes Essen und guten Wein steht. Das hat auch lange gut funktioniert. Der
Doktor der Physik, der vor zehn Jahren in den elterlichen Betrieb
einstieg, weiß inzwischen aber: "Wer heute so arbeitet, hat nicht mehr
viele Chancen." Moderne Zeiten, moderne Gäste. Die Anforderungen ans
Hotel haben sich ebenso gewandelt wie das Publikum. Nach der Übernahme
1993 informierte sich Deppisch als Gast in erfolgreichen anderen Hotels,
holte den Rat von Fachleuten ein und strukturierte um. "Mainfranken" heißt
der große Raum im ersten Stock, der einen Wendepunkt in der
Hotelgeschichte darstellt.
Hier setzte Josef Deppisch 1994 sein
Tagungskonzept "Sprudelnde Ideen verankern" erstmals um. "80 Prozent
seiner Wahrnehmungen macht der Mensch mit den Augen", sagt er, und aus dem
Hotelier spricht der Wissenschaftler. Im Tagungsraum zu sehen gibt es
nicht nur einen Buntsandsteinbrunnen, der mit seinem sprudelnden Wasser
"eine gewisse Grundsicherheit vermittelt", blaue Böden und dunkelrotes
Mobiliar. Zu sehen gibt es auch kleine Magnete mit goldenem Anker. Sie
halten überall, denn die Wände sind ringsum und auf voller Höhe
magnetisch. Viel Platz also für die Papierbögen, die nach dem Beschreiben
nicht am Flipchart-Ständer umgeschlagen, sondern auf die Mauern tapeziert
werden können. Alle Informationen im Blick - das macht es dem
Tagungsteilnehmer leichter, weiß Deppisch, der seine Doktorarbeit über die
mit dem Lernen verbundenen Vorgänge im Gehirn geschrieben hat. Das auf das
Sehen und das Gespräch in kleinen Runden mit anregendem Ambiente angelegte
Konzept kam an. So entstanden im Jahr 1997 der "Lebensraum" mit
strahlenförmigem Trägergebälk und seinen drei auf der selben Etage
angeschlossenen Gruppenräumen sowie 2002 der "Freiraum" mit angrenzender
Terrasse. Auch in diesen Tagungsräumen sind die Wände mit Blechen
unterfüttert, auch dort sprudelt Wasser in Brunnen und Säulen.
Die Seminarveranstalter sind angetan. Rund zwei Drittel der Hotelgäste im
Anker mit seinen 39 Zimmern und 65 Betten sind inzwischen Tagungsgäste.
Das sei die Obergrenze, meint Deppisch, der den Seminarbereich nicht
weiter steigern will. Doch die Räume könnten noch so schön sein, ohne das
Personal wäre alles nichts, ist sich der Hotelchef bewusst. "Wir machen
regelmäßig Schulungen und zwei- bis dreimal ein Seminar in den eigenen
Räumen", berichtet Deppisch. Das Lernen sei viel konstruktiver für die
Beschäftigten, wenn sie das « Hotel » einmal aus der Warte der
Tagungsteilnehmer sähen und es trägt Früchte. Deppisch: "Das meiste Lob,
das wir bekommen, ist für das Personal". "Ihr seid eine Oase in der
Dienstleistungswüste Deutschland", zitiert er nicht ohne Stolz den Leiter
einer Veranstaltung. Räume, Personal, ein gutes Restaurant - noch fehlt
etwas. Immer mehr Seminarleiter erwarteten einen Rahmen für gemeinsame
Unternehmungen, etwas, wo sich die Teilnehmer zusammentun und vielleicht
sogar einen "Kick" bekommen können.
Hier musste Deppisch einiges selbst
aus dem Boden stampfen, weil das Angebot in Marktheidenfeld nicht da war.
Die Weinprobe im 400 Jahre alten Fasskeller und die Führung durch den
Weinberg sind zwar immer noch gefragt, doch die vielen
"Wiederholungstäter" unter den Seminaristen stehen auf Abwechslung. Die
bietet Deppisch mit Golf- Schnupperkursen, Kanu-Touren auf dem Main,
Bogenschießen oder Spessarttour mit Räuberüberfall und, noch ziemlich neu,
mit so genannten "Outdoor-Programmen": Am Seil über eine Schlucht oder 30
Meter tief von der Wertheimer Burg, gemeinsam ein Floß bauen oder eine
Funk-Orientierungstour durch die Wälder können ebenso gebucht werden wie
eine Nachtwanderung mit herausfordernden Aktionen. Dass das Anker
-Konzept ankommt, zeigt nicht nur die gute Platzierung bei dem vom Max
Schimmel Verlag ausgeschriebenen Wettbewerb der Tagungshotels, von denen
nur 217 in die engere Wahl kamen. Anerkennung gab es auch vom Fachverband
der Medienberater und der Medienreport Verlags-GmbH, die das Hotel mit
der Auszeichnung "Member of the European Masterclass" geehrt haben, welche
von über 180 Häusern nur 17 erhielten. Nun gilt es für Dr. Josef Deppisch
und sein Team, das Niveau zu halten. Sein Rezept: "Wir investieren weiter
in den Mitarbeiterstamm." Und der identifiziert sich mit dem Konzept
"Sprudelnde Ideen verankern" und hilft mit, es ständig fortzuschreiben.
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